Architekt | Berlin

places to work, learn and exist.

RWTH Aachen

Studium

← Projekte

Ort
Aachen
Zeitraum
2008–2016
Abschlüsse
Bachelor-Studium Architektur, 2008–2011
Master-Studium Architektur, 2012–2016

Ein Friedhof für Daten

Aachen, 2016

Ort
Aachen
Jahr
2016
Kontext
Studium
Rolle
Masterthesis, Lehrstuhl für Gebäudelehre und Lehrstuhl für Architekturtheorie, RWTH Aachen
Weißes Arbeitsmodell aus der Vogelperspektive mit der Raumfolge des Datenfriedhofs

Idee

Seit jeher ist der Tod ein elementarer Bestandteil unseres Lebens und wurde in den unterschiedlichsten Kulturen und Religionen in Bestattungszeremonien ritualisiert.

Der Tod ist die Spaltung des Geistes vom Fleisch.

Der Schmerz und die Sehnsucht, die ein Verstorbener den Hinterbliebenen hinterlässt, sind physisch nicht greifbar, und so erschaffen wir reale Artefakte, die von unserer Existenz zeugen und ihre Erinnerung hochleben lassen.

Seit der Vernetzung der Welt haben wir begonnen, unsere Persönlichkeit in digitale Sphären auszuweiten. Was nach unserem Tod dort verbleibt, entzieht sich zumeist vollständig unserem Einfluss. Im Grunde werden unsere Daten nur zu einem ironischen Spiegelbild des echten Artefakts, scheinen sie doch in den Tiefen des Cyberspace erst wirklich den Status der Unsterblichkeit zu erreichen. Die hohe Priorität, die digitale Medien mittlerweile in unserer Gesellschaft haben, ja die sie regelrecht am Leben hält, ließ mich schließlich nach einem Datenbestattungsritual suchen. Obwohl wahrscheinlich niemals eine vollständige Löschung aller im Internet kursierenden Daten erreicht werden könnte, dient ein solches Ritual dazu, diese Daten wieder zu vermenschlichen und greifbar zu machen.

Ich suchte einen Weg, der die geistliche und ethische Konfrontation mit dem Tod und die theoretische Unendlichkeit unserer digitalen Fußspuren in Einklang bringt und dabei auch der flüchtigen und technischen Realität von Daten gerecht wird.

Ritual und Raum

Ich entwickelte eine Maschine, die das Bestattungsritual vollzieht. Der Mensch wird zum Prozessor. Die Architektur folgt in ihrer Gestalt den einzelnen Maschinenkomponenten.

Dabei wird sie durch eine Aneinanderreihung von Räumen gebildet, in denen die Teilnehmer der Datenbestattung durch eine intermediale Ausstellung geführt werden und ihre Verwandlung in einen digitalen Datenstrom inszeniert wird. Sie übernehmen schließlich die Rolle des ausführenden Prozesses, der die Datenbestattung vollstreckt.

Datenbestattung starten

Die zu bestattenden Daten werden von der Gemeinde auf einem üblichen USB-Stick mitgebracht. Sobald man die lange Eingangstreppe auf einer Seite hinabgestiegen ist und hinter der Konstruktion verschwindet, hat man bereits die erste Schwelle in die digitalen Sphären des Verstorbenen überquert. Man betritt einen quadratischen Raum mit einem Sockel in der Mitte, der die Besucher förmlich zum Einstecken des USB-Sticks auffordert. Die Daten werden in das System geladen und das Ritual beginnt.

Betreten des digitalen Cyberspace

Es öffnet sich eine Tür, durch die man in ein Labyrinth gelangt, dessen Wände durch das quadratische Raster gebildet werden, auf dem auch das restliche Gebäude aufbaut. Eine hell-türkise Lumineszenz der Konstruktion als einzige Lichtquelle und verspiegelte Innenwände erzeugen die Illusion, man verschwinde vollständig in der Unendlichkeit des digitalen Koordinatenrasters. Den Besuchern stehen beim Betreten zwei mögliche Wege zur Auswahl, das Labyrinth zu durchschreiten. Je nachdem, für welchen man sich entscheidet, wird man im fortlaufenden Prozess entweder mit dem Wert 1 oder dem Wert 0 binär kodiert.

Physisches Löschen

Im folgenden Raum erscheinen auf LED-Wänden Bilder, Nachrichten oder Lieblingsmusik, die in unterschiedliche intermediale Installationen eingebettet sind. Dabei lösen sich Porträts durch Antippen auf, zerfließen an den Stellen, an denen der Blick des Betrachters über das Bild wandert, zerspringen zu Scherben oder verändern ihre Farbwerte bis zur Unkenntlichkeit. Die physische Aktion der Teilnehmer wird hier also zur treibenden Kraft, die die Bilder verblassen lässt und auslöscht.

Es konnten nicht alle Dateien gelöscht werden

Eine Warnmeldung, die jedem bekannt sein dürfte, illuminiert den Raum, als beinahe alle Installationen von den Besuchern durchexerziert wurden. Man wird zu einem manuellen Löschverfahren aufgefordert, das durch das einfache Klicken auf ein „OK“ auch gleich gestartet wird.

Man gelangt in einen Raum, dessen Decke und Boden aus einem quadratischen Raster aus 16 × 16 Feldern besteht. Die 256 Felder stehen stellvertretend für die Anzahl an Werten, die ein Byte annehmen kann.

Das nicht zu löschende Bild erstreckt sich über das Raster. Betritt man eines der Rasterfelder, verdunkelt sich die Kachel und der entsprechende Bildausschnitt erstrahlt in der Decke. Je nachdem, ob die Besucher anfangs rechts oder links abgebogen sind, überschreiben sie das Bild hier mit dem von ihnen verkörperten Wert. Dadurch wird die Datei durch eine zufällige Abfolge von 0 und 1 überschrieben. Die Teilnehmer ahnen zu diesem Zeitpunkt nicht, dass sie sich gerade in einer Camera Obscura befinden, die am Ende noch eine Überraschung für sie bereithält.

Datenbestattung beenden

Anschließend betritt man einen Raum, der jedem der Teilnehmer bekannt sein dürfte. Hier hat man den USB-Stick in den Sockel gesteckt und die Prozession begonnen. Nach dem Entfernen des Sticks verlässt man das Gebäude allerdings nicht dort, wo man es betreten hat, sondern wird eine Treppe in den oberen Teil der Camera Obscura hinaufgeführt.

Das letzte Bild, das zuvor an die Decke projiziert wurde, wurde abgelichtet und auf ein Trägerpapier übertragen. Die verwendete Technik stammt aus den Kindertagen der Fotografie und nennt sich Daguerreotypie. Dabei handelt es sich um ein Direktpositiv-Verfahren, sodass kein Negativ entsteht, sondern direkt das entwickelte Foto. Wie in einer Belichtungskammer ist auch hier der Raum in ein sattes rotes Licht gehüllt, um die Abbildung nicht zu verfälschen.

Der letzte Schritt des Fixierens wird hier bewusst übersprungen. Die Prozessionsgemeinde nimmt das Abbild und verlässt den Raum auf das Dach des Gebäudes. Das Tageslicht belichtet die Abbildung weiter, bis das Motiv schließlich völlig verblasst. Was letztlich bleibt, ist die Erinnerung, die in dem weißen Blatt Papier verkörpert wird. Die Daten auf dem USB-Stick sind nach der Datenbestattung gelöscht.

Was bleibt, ist die Erinnerung.

Wo Erinnerungen ihre letzte Ruhe finden

Man verlässt das Gebäude über das Dach, das sich als öffentlicher Ort von allen Seiten erschließen lässt. Das Blatt, das zum Erinnern auffordert, wird hier zum wiederbeschreibbaren Datenträger, der der Erinnerung eine kreative Leinwand bietet. Es ist jeder Trauergemeinde selbst überlassen, das Blatt in irgendeiner Weise zu modifizieren, dort auszustellen oder mit nach Hause zu nehmen. Dieser Ort präsentiert das physische Relikt einer Datenlöschung und erzeugt einen gesellschaftlichen Ort der Wiederkehr.

Beteiligte

Projekt M3: Masterthesis

Lehrstuhl für Gebäudelehre, RWTH Aachen
Prof. Anne-Julchen Bernhardt

Lehrstuhl für Architekturtheorie, RWTH Aachen
Prof. Axel Sowa

Endstation Trinkhalle

Mönchengladbach-Wickrath, 2014

Ort
Mönchengladbach-Wickrath
Jahr
2014
Kontext
Studium
Rolle
Masterprojekt M1, Lehrstuhl für Konstruktives Entwerfen, RWTH Aachen
Schwarzweiß-Rendering des umgebauten Bahnhofs Wickrath vom Bahnsteig aus

Im Bahnhof Wickrath mag man einen gewöhnlichen alten Bahnhof sehen, der wie viele andere im Rhein-Ruhr-Gebiet Opfer seiner Zeit und des technischen Fortschritts wurde. Sie sind marode und machen den Eindruck, einfach vergessen worden zu sein. Und doch gab es eine Zeit, in der diese Gebäude eine hohe Relevanz hatten. Bahnhöfe waren Orte des Verkehrs, des Handels und des Austausches. Die fast hundert Jahre währende Teilnutzung als Gastronomie zeugt auch davon, dass ein solcher Bahnhof als Treffpunkt diente und zum Verweilen einlud.

Vom baufälligen Zustand einmal abgesehen, hat das Gebäude sein Potenzial bis heute behalten. Mit einem gesteigerten Identitätsfaktor könnte es den nordwestlichen Abschluss zur Innenstadt und ein Gegengewicht zum Schloss Wickrath bilden. Mit der direkten Lage zur Haltestelle könnte das Gebäude als Aushängeschild für Wickrath dienen und sich durch die Fluktuation der Bahnfahrer als regionale Einrichtung etablieren.

Mein Ziel war es, dem Gebäude durch eine Symbiose aus verschiedenen Nutzungen wieder Leben einzuhauchen und es so wieder zu einem identitätsstiftenden Standort für die Gemeinde Wickrath zu machen. Dabei galt es, einen respektvollen Umgang mit dem Bestand zu pflegen und einen Weg zu finden, der häufig veränderten Kubatur des Gebäudes gerecht zu werden.

Das Gebäude sollte als Stadteingang für die Bahnreisenden dienen und die Passanten zu einem Teil von sich werden lassen. Da es in seiner jetzigen Form eine Barriere darstellt, schneide ich zunächst eine Passage in das Gebäude, die gleichzeitig als Unterstand mit Sitzbänken sowie als Eingang zu den Nutzungen dient. Eine Stadtbibliothek im Obergeschoss, eine Brasserie im Erdgeschoss und ein Kulturkino im Keller beleben das Gebäude zu verschiedensten Tageszeiten. Dabei profitieren die Nutzungen von der Laufkundschaft der jeweils anderen und werden so zu einem Ensemble mit einer höheren Besucherfrequenz, als die einzelnen Nutzungen für sich erreichen könnten.

Beteiligte

M1: Endstation Trinkhalle
Lehrstuhl für Konstruktives Entwerfen, RWTH Aachen
Vertretung der Professur: Petra Vondenhof-Anderhalten

Über den Dächern von Aachen

Aachen, 2013

Ort
Aachen
Jahr
2013
Kontext
Studium
Rolle
1. Platz im Wettbewerb „Potenziale von Dachlandschaften für Urban Gardening“, Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur, RWTH Aachen
Fotomontage des Geschäftshauses Sinn+Leffers in Aachen mit begrüntem Stahlkubus auf dem Dach

Über den Dächern von Aachen liegen viele Potenziale, ungenutzte Flächen und die Möglichkeit, Natur wieder in die Stadt zu integrieren. In Zeiten zunehmender Umweltverschmutzung können begrünte Dächer im Sinne des Urban Gardening Feinstaub und Kohlenstoffdioxid binden, Sauerstoff produzieren und, ganz unabhängig von den ökologischen Aspekten, die Lebensqualität der Menschen verbessern und gewinnbringend genutzt werden.

Mit dem traditionsreichen Modeunternehmen SinnLeffers besteht in diesem Projekt die Chance, an prominentester Stelle der Aachener Innenstadt ein großflächiges Dachareal zu begrünen und darüber hinaus zu einer neuen Identitätsfindung und -etablierung des Unternehmens beizutragen.

Statt die oberste und attraktivste Ebene nur zu begrünen, möchte ich die Grünflächen in die Vertikale hochklappen und an die Gebäudekante setzen, sodass ein grüner Käfig entsteht. Dieser Käfig aus vertikaler Bepflanzung schafft einen Raum mit einer außergewöhnlichen Raumqualität und bietet die Möglichkeit, die Dachfläche selbst als „privately owned public space“ zu nutzen. Die erhöhte Kubatur und die erneuerte Fassade wirken wie ein Symbol für das Unternehmen. Die Dachfläche des Käfigs wird mit Photovoltaik ausgestattet und versorgt die Anlage mit Energie.

Über diesen „public space“, der eine Gastronomie mit zugehörigen Nutzgärten und öffentliche Ziergärten beinhaltet, ist auch ein Bereich für öffentliche Gemeinschaftsgärten vorgesehen. Er soll für die Anwohner über die Öffnungszeiten des Unternehmens hinaus zugänglich sein und würde damit erheblich zur Identitätsbildung des Stadtteils beitragen. Durch Konzepte wie eine Regenwasserrückführung zu den Nutzpflanzen, die ökologische Einbindung von Bienenkulturen und Photovoltaik wird Urban Gardening nachhaltig gestaltet und ermöglicht der Natur, trotz städtischem Umfeld stabile Ökosysteme aufzubauen.

Beteiligte

  1. Platz im Wettbewerb „Potenziale von Dachlandschaften für Urban Gardening“
    Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur, RWTH Aachen
    Prof. Dr.-Ing. Frank Lohrberg, Johannes Rolfes